VOLKSPOLIZEI – 1985 (1985)

    Dokumentarfilm, DDR 1985 58 Min., 16mm, s/w, 1:1.33, D 2001 RBB

    DVD: edition filmmuseum Nr. 56

    Regie, Buch Thomas Heise Kamera Peter Badel Schnitt Gisela Tammert Ton Thomas Heise Produktion Staatliche Filmdokumentation beim Staatlichen Filmarchiv der DDR, Berlin Drehort Berlin-Mitte (Volkspolizeirevier 14, Brunnenstraße) Rekonstruktion 2001 auf BetaDigital: SFB. Redaktion: Jürgen Tomm, Barbara Frankenstein Uraufführung 21.11. 2001, Berlin (Filmkunsthaus Babylon)
    Nicht für öffentliche Vorführungen vorgesehen

     

    … Momentaufnahmen aus einem ganz normalen Revier der Volkspolizei in Berlin-Mitte, unmittelbar vor dem 1. und 8. Mai 1985. … Ein wahrhaftiges “missing link” ostdeutscher Filmgeschichte, das belegt, daß es jenseits offiziellen Dokumentarfilms eine ganz andere Auseinandersetzung mit der vorgefundenen Wirklichkeit gab.
    Berliner Zeitung, Ralf Schenk


    … Das Revier 14 auf der Brunnenstraße, unmittelbar vor den Feiertagen des 1. und 8. Mai, liegt in Mitte, in direkter Nähe zum “antifaschistischen Schutzwall”. Auch deshalb haben die Beamten vorrangig auf auffällige Elemente zu achten, die gewollt oder unwillkürlich den Ablauf der Feiertage stören könnten. Und mit etwas Mühe werden sie auch fündig.
    Ein mittelloser Melker aus dem Brandenburger Umland muss sich vor laufender Kamera ebenso rechtfertigen wie ein völlig harmlos wirkender Cure-Fan, dem von einem Obermeister bescheinigt wird, seine Kinder würden sich nachts vor ihm fürchten. Des Weiteren gibt es etwas Tohuwabohu in Treppenhäusern. Eine betrunkene Lesbe zum Beispiel, die den stocksteif verkrampften Vopos ihr Bekenntnis entgegenkräht: “Ick liebe die nämlich!”
    In den Ereignispausen entblättern die im Revier wartenden Sicherheitskräfte ihre Biografien, versuchen sogar, die Metaphorik ihrer Spitznamen zu analysieren. Zwei ungefähr zwölfjährige Jungs tauchen auf, die brav ihre Motivationen aufsagen, warum auch sie ihr Leben der Volkspolizei widmen möchten. Alles so Aufschlussreich wie banal. Und wiederum absurd.
    Viel war nicht los im Osten. Aber das, was nicht los war, wurde um so ernster genommen. Thomas Heise belegt mit diesen glücklich geborgenen Arbeiten sein enormes filmdokumentarisches Talent. Es besteht darin, im Augenblick des Erlebens genau die kleinen Geschehnisse wahrzunehmen, die kaum sonst jemand als relevant einstufen würde. Die sich aber wenig später als überaus signifikant erweisen werden.
    20.11.2001 TAZ, Claus Loeser


     

     

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